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„Die Verunsicherung ist groß“ – Pia, Hotelfachfrau, im Interview über das Corona-Jahr

Hotel Corona Interview
Lesezeit: 6 Minuten

 

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 trifft es die Hotelbranche Ende des Jahres erneut hart. Pia, 20, schloss im Sommer ihre Ausbildung als Hotelfachfrau erfolgreich ab. Das Corona-Jahr in der Hotelbranche hat sie hautnah miterlebt: Vom Aus im Ausbildungsbetrieb über Zukunftsängste bis zum Lockdown im neuen Job schildert sie ihre Gedanken.

 

Hallo Pia, Du hast dieses Jahr die volle Bandbreite der Corona-Krise in der Hotelbranche zu spüren bekommen. Doch der Reihe nach. Weißt Du noch, wie alles anfing?

Nachdem ich Ende Januar mitbekommen habe, dass eine aus China angereiste Frau positiv auf das Virus getestet wurde, war mir klar, dass es nicht lange dauern würde, bis es in Deutschland mehr Fälle geben würde.

Wann wurde Dir bewusst, dass es Deine Arbeit im Hotel betreffen wird?

Da sich der genannte Vorfall in München ereignete und mein Ausbildungsbetrieb nur 30 Minuten davon entfernt lag, bekamen wir schon in den darauf folgenden Tagen diverse Absagen für geplante Tagungen in unserem Hotel. Da kam das erste Mal ein mulmiges Gefühl auf. Bis zum ersten Lockdown lief die Arbeit trotzdem noch normal weiter.

Was hat sich mit dem Lockdown dann für die Mitarbeiter verändert?

Bereits kurz vor dem Lockdown wurde sehr plötzlich eine Versammlung einberufen, auf der alle Mitarbeiter inklusive der Geschäftsführer anwesend waren. Schon damals sollten wir uns alle mit Abstand zueinander setzen. Natürlich war die Stimmung aufgewühlt. Uns wurde mitgeteilt, dass alle Mitarbeiter in Kurzarbeit müssen. Mit Ausnahme der Auszubildenden, zu denen auch ich gehörte.

Das bedeutet, Ihr wart die einzigen, die in den folgenden Wochen noch im Betrieb waren?

Genau. Die Auszubildenden haben ab da zusammen mit den Geschäftsführern den Laden geschmissen. Das restliche Hotel war geschlossen, wir nahmen auch keine Geschäftsreisenden mehr auf. Im Laufe der Zeit übernahmen die Jungs Hausmeister-Tätigkeiten wie Rasenmähen oder Reparaturen, während die Mädels die Zimmer von Grund auf reinigten. Da ich die erfahrenste Auszubildende war, ich sollte einen Monat später meine Abschlussprüfung schreiben, saß ich die darauf folgenden Wochen am Empfang und kümmerte mich um Anrufe und E-Mails. Für mich war das eine sehr langweilige Zeit. Manchmal auch etwas beängstigend, wenn ich abends die letzte Person in der großen Parkhotelanlage war und im Dunkeln einen Kontrollgang machen sollte.

Interview Corona Hotel

Die sonst so vollen Frühstücksräume waren leer

Du sprichst Deine Ausbildung an. Wie ging es mit der Abschlussprüfung weiter? 

Das war furchtbar. Wir haben lange keine Rückmeldung erhalten, ob die Prüfungen wie geplant stattfinden. Ich hatte also nach Plan weiter gelernt und war gut vorbereitet. Absolut kurzfristig wurden die schriftlichen Prüfungen dann von April auf Juni verschoben. Diese Art der Kommunikation hat uns allen nicht gefallen. Obendrauf kam noch, dass die Lage ja weiter ungewiss war und niemand wusste, ob Juni überhaupt klappen wird. Unklar war für mich zudem, bis wann ich jetzt noch Angestellte des Hotels war, denn mein Vertrag sollte mit Bestehen der Prüfungen enden.

Und die praktische Prüfung?

(Seufzt) zwischen den theoretischen und den praktischen Abschlusstests lagen ursprünglich drei Monate. Genug Zeit, auch für die etwas schwächeren, sich auf die Praxis vorzubereiten. Durch die veränderte Situation lagen beide Termine nur noch zehn Tage auseinander. Für einige war das harter Tobak.

Fand dann alles wie geplant statt?

Ja, fast. Die verlegten Termine konnten tatsächlich eingehalten werden, also absolvierte ich die Theorie und zehn Tage später die Praxis. Die Information über bestanden oder nicht bestanden erhält man normal direkt nach der praktischen Prüfung – nicht so bei uns. Durch die kurze Zeit zwischen den beiden Examen bekamen wir noch kein Ergebnis. Wieder wurde sehr wenig kommuniziert. Die einzige Info war, dass es sich noch zieht und noch zwei Monate dauern könne. Obwohl ich also mit der Ausbildung fertig war, musste ich auf ungewisse Zeit im Betrieb weiter arbeiten, bis die Ergebnisse kamen. Für viele war das eine schwierige Situation, da sie schon Monate zuvor eine neue Arbeitsstelle gefunden hatten, diese nun aber nicht antreten konnten.

Auch Du?

Nein. Schon ein Jahr zuvor habe ich mit meinem Chef geredet, der mir zugesichert hatte, dass ich übernommen werde. Das gestaltete die Situation für mich zunächst komfortabel. Im Nachhinein hätte ich das aber schriftlich fordern sollen.

Wieso?

Während dem Lockdown habe ich natürlich gewusst, dass die Lage auch fürs Hotel nicht rosig war. Also wollte ich mich noch einmal vergewissern, dass meiner Übernahme nichts im Wege steht. Die Versuche, meinen Chef zu kontaktieren, scheiterten aber leider – bis auf einmal die Nachricht kam, dass er weg sei.

Wurde ihm gekündigt?

Ob er selbst gegangen ist oder ob sein Kopf als einer der bestverdienenden aufgrund der wirtschaftlichen Situation rollen musste, weiß ich bis heute nicht. Auf jeden Fall war er von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. Ohne Abschied, ohne alles. Das war unglaublich schade, denn wir haben ihn alle sehr gemocht und geschätzt. Ab da hatte ich eine Vorahnung, dass es schwierig sein würde, das Versprechen meiner Übernahme einzufordern.

Wer war nun Deine Ansprechperson?

Die Stellvertretung musste seine Aufgaben übernehmen, was aber überhaupt nicht durchdacht war. Die war auch sehr nett, allerdings arbeitete sie nur auf Teilzeitbasis und hatte ein kleines Kind zu Hause. Natürlich bleibt dann vieles links liegen. Ich habe über mehrere Wochen versucht, mit ihr über meine Zukunft zu sprechen, allerdings wurde ich immer abgewiesen und vertröstet. Trotzdem blieb ich penetrant und bekam irgendwann mein Gespräch. In diesem teilte sie mir mit, dass ich auf jeden Fall im Betrieb bleiben kann. Allerdings müsste ich bis Ende 2020 in Kurzarbeit gehen. Als Bedingung wurde zudem genannt, dass ich während dieser Zeit eine Weiterbildung machen solle, die zum Hotel passt.

Hast Du eingewilligt?

Natürlich, ich habe mich dort ja wohl gefühlt und wollte unbedingt bleiben. Also habe ich mich schlau gemacht und mir eine Weiterbildung zur Hotelbetriebswirtin herausgesucht, die ich online absolvieren konnte. Ich habe mir dazu diverses Infomaterial bestellt und meiner neuen Chefin gegeben. Mich hat es gewundert, dass anschließend keine Rückmeldung mehr kam. Nach erneuten, mehreren Kontaktversuchen, bei denen ich immer vertröstet wurde, bekam ich schließlich die Ergebnisse meiner Prüfungen. Ich hatte mit sehr gut bestanden und den Staatspreis erhalten.

Herzlichen Glückwunsch!

Danke. Die Freude hielt aber nicht lange an. Ich ging in die Arbeit, um meiner Chefin die Ergebnisse zu überreichen, da sie ja das Ende meiner Ausbildung zur Folge hatten. Da sagte sie mir dann, dass die Geschäftsführung ihr Veto eingelegt hatte und dies mein letzter Tag in der Firma sei. Natürlich war ich am Boden zerstört und brach in Tränen aus.

Die mündliche Zusage wurde also nicht eingehalten?

Richtig. Im Nachhinein war es, wieder, mein Fehler, dass ich nicht sofort etwas Schriftliches gefordert habe. Ich mache meiner Chefin aber keinen Vorwurf. Sie wurde ja selbst ungewollt in diese Lage gebracht und war offensichtlich überfordert mit der Gesamtsituation.

Somit warst Du auf einen Schlag arbeitslos.

Hätte ich keine Zusicherungen gehabt, hätte ich mich natürlich in anderen Hotels beworben. So war ich aber tatsächlich von einem Tag auf den nächsten ohne Job und wusste erst einmal nicht, wie es weiter geht. Selbstverständlich war mir bewusst, dass es schwierig werden könnte, da die wenigsten Hotels zu diesem Zeitpunkt neues Personal einstellen konnten. Statt meinen Abschluss zu feiern, stand also der Gang zur Arbeitsagentur an.

Wie liefen dann die Bewerbungen?

Um ehrlich zu sein: Überraschend gut. Ich habe mich in München beworben und zeitgleich dort nach Wohnungen gesucht. Innerhalb von wenigen Wochen hatte ich beides unter Dach und Fach gebracht und war super happy. Ich begann als Festangestellte ab Oktober in einem schönen Münchner Parkhotel. Erstmals verspürte ich wieder Optimismus.

Wie waren die ersten Wochen dort?

Natürlich gab es coronabedingt einige Einschränkungen, ich saß zum Beispiel am Empfang hinter einer großen Plexiglasscheibe. Ansonsten war alles rundum positiv, vom Team wurde ich super aufgenommen und konnte mit meiner Erfahrung auch gleich anderen Azubis unter die Arme greifen.

Dann kam im November der zweite Lockdown, in dem die Hotels wieder schließen mussten. Hast Du das kommen sehen?

Überhaupt nicht. Natürlich haben wir uns in der Arbeit immer wieder über die mögliche Zukunft unterhalten. Selbst meine neue Chefin war sich aber sicher, dass der Gastronomie und der Hotelbranche solch drastische Maßnahmen nicht ein zweites Mal auferlegt werden. Als die Zahlen wieder stiegen, hat sich das schon bemerkbar gemacht. Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands, die für die Übernachtung einen negativen Test nachweisen mussten, stornierten lieber komplett.

Corona Interview Hotel

Wieder blieben die Konferenzräume leer

Was geschah dann mit Dir, als der „Lockdown light“ verkündet wurde?

Ich glaube, es ist selbsterklärend, dass ich Angst bekam, da ich erst seit einem Monat im Betrieb und daher noch in der Probezeit war. Die Chefin zitierte mich dann in ihr Büro. Zum „Glück“ hat sie mir aber, trotz der schweren Lage, nicht gekündigt, sondern nur mitgeteilt, dass ich in Kurzarbeit gehen müsse und jetzt bis Mitte Januar frei habe. Ein zweites Mal in so kurzer Zeit hätte ich das wohl nicht verkraftet (lacht).

Wie ist der Status quo und wie fällt Dein Fazit aus?

Aktuell habe ich viel Zeit, mit der ich aber nicht so richtig umzugehen weiß. Zu groß ist die Verunsicherung für die Zukunft. Ich verstehe einfach nicht, wie man die Gastronomie und die Hotels komplett schließen konnte. Die Betreiber haben über den Sommer viel Geld und Zeit investiert, um allen Vorschriften gerecht zu werden. Da werden Auflagen auferlegt, die zu 100% erfüllt werden und als Konsequenz werden die Betriebe wieder geschlossen. Ich finde das einfach nicht fair. Mir fehlt da ein erkennbares Konzept.

Passend zum Thema: Corona-Interview mit Alexandra Maierhofer vom Wirtshaus Donisl

 

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